Stimmen von anderen

Besprechung

Schon seit einigen Wochen freute ich mich auf die Lesung „Malchen und die vergessene Zeit”. An einem Samstag im November begleitete mich meine sechsjährige Tochter zu der Lesung ins Cafe Schafheutle in der Heidelberger Altstadt. Viele Erwachsene und Kinder waren gekommen, um in angenehm, entspannter Atmosphäre das neue Buch und die Autorin persönlich kennenzulernen.

Juliane Kayser, eine charismatische, symphatische junge Frau, stellte sich selbst und die Entstehungsgeschichte ihres Buches vor: An einem Sonntag im Juli lädt Oma ihre Enkeltochter Hannah zu einem Ausflug auf das Heidelberger Schloss ein. Dort lernt sie Malchen und eine andere Zeit kennen. Malchen entpuppt sich als die Tochter des noch bis heute bekannten Grafen von Graimberg. Die beiden Mädchen gehen auf Entdeckungsreise. Während der Lesung konnte ich in viele strahlenden Augen schauen, die gespannt den Ausführungen der Autorin zuhörten. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, die Kinder wie auch Erwachsene in die Welt des 19. Jahrhunderts zurückversetzte und das Träumen zuließ.

Die Geschichte ist in einer liebevoll, formulierten Sprache geschrieben, unterstrichen durch detailgetreue, aufwändige Zeichnungen. Durch die Verknüpfung historischer Details über das Heidelberger Schloß mit einer fantasievollen Erzählung ist dieses Buch für Kinder wie auch für Erwachsene sehr zu empfehlen.

Daniela Wenz

EIN HÖRERINNEN-KOMMENTAR

Liebe Frau Kayser,

ich möchte mich sehr bei Ihnen bedanken für einen wunderbaren Vormittag. Ihre Lesung des“Malchens“ im Heidelberger Café Schafheutle am vergangenen Samstag war ein vielfältiger Hochgenuss. Mit viel Freude und Enthusiasmus haben Sie Ihre Zuhörer in den Bann gezogen. Musikalisch stimmungsvoll untermalt schenkten Sie uns einen Blick in die vergangene Welt des Grafen Charles de Graimberg, dem wir nichts Geringeres verdanken als die Rettung des Heidelberger Schlosses. Durch lebendige Kinderaugen haben Sie uns leicht und spannend ein wichtiges Stück Heidelberger Geschichte näher gebracht. Und nicht nur die Erwachsenen wissen das zu schätzen. Viele leuchtende Kinderaugen und gebanntes Zuhören sprachen den Morgen für sich.

Mögen viele Kinder (und Junggebliebene) dieses zauberhafte Buch unter dem Christbaum finden. Mit sehr herzlichen Grüßen

Mariel Radlwimmer
Lektorin und Projektmanagerin mit Schwerpunkt Kinderbuch

LESUNG IN DER BIBLIOTHEK DES DEUTSCH AMERIKANISCHEN INSTITUTS (DAI)

Retter des Heidelberger Schlosses in der Bibliothek des DAI

Er ist Franzose, ein waschechter Graf und Vater von fünf Kindern. Das Allerwichtigste an ihm ist aber, dass er das Heidelberger Schloss so besonders fand, dass er es in jahrzehntelanger Mühe für uns heute rettete. Von wem ist hier die Rede?

Um das herauszufinden, waren am Donnerstag, den 6.Mai 2010 zwanzig Kinder einer vierte Klasse des Englischen Instituts und zwei ihrer Lehrer in die Bibliothek des Deutsch Amerikanischen Instituts (DAI) gekommen.

Gespannt wie die Flitzebogen warteten die Kinder auf die Lesung. Geschickt begann die Autorin Juliane Sophie Kayser aber nicht gleich aus ihrem Buch „Hannah’s Fantastic Journey into the Past“ / „Malchen und die vergessene Zeit“ vorzulesen, sondern ließ die Kinder erst zu Worte kommen. Was braucht es überhaupt, um ein fertiges Buch in Händen zu halten? Die Antworten kamen zahlreich: die Autorin, den Verlag, die Druckerei, den Illustrator, die Buchhandlung, das Lektorat, … Wie entsteht eine Geschichte, ein Buch? Erst erzählt man sie vielleicht seinen Kindern und dann schreibt man sie auf. Dann muss ein Illustrator oder eine Illustratorin helfen, und immer wieder müssen sich die Autorin und der Illustrator absprechen; es ist ein lebendiger Prozess: Sind die Lackschuhe rot oder schwarz? Betritt Hannah den Schlossgarten von der Stadt her oder vom Schlosswolfsbrunnenweg? …

Aber jetzt ist es Zeit für die Geschichte. Am Anfang lernen wir erst mal die Hauptpersonen über ihre Vorlieben und Abneigungen besser kennen. Und schon stehen wir mitten in Hannahs Abenteuer auf dem Schloss, machen eine überraschende Zeitreise, treffen Malchen und schließlich auch ihren Vater, den Grafen und Retter des Schlosses: Graf Charles de Graimberg! Über ein Jahr recherchiert und dann kindgerecht verpackt wird hier ein wichtiger Teil Heidelberger Geschichte lebendig!

Da die Schulklasse aus dem EI bilingual ist, ist auch die Lesung zweisprachig. Die Autorin liest gleichermaßen spannend und klar auf Deutsch wie auf Englisch vor. Auch die Kinder wissen selbstverständlich, dass we are not made of sugar mit wir sind nicht aus Zucker (gemacht) übersetzt wird. Auch sehr anschaulich waren die schönen Zeichnungen des Buches, die – für alle gut sichtbar – im laminierten Großformat von einem der Lehrer hochgehalten wurden. Auch das Andenken, das Hannah von Graf de Graimberg erhält – eine Schreib- und Zeichenfeder – dürfen die Kinder aus nächster Nähe betrachten. So bleibt auch das Vorlesen interaktiv, die Kinder verlieren den Faden nicht, auch wenn die Mädchen es noch spannender finden als die Jungs.

Und auch das hat einen Grund. In der lebhaften Fragerunde nach der Lesung erzählten die Mädchen, dass auch sie gerne Autorinnen werden möchten, ja dass sie sogar schon schreiben, sich gegenseitig vorlesen und helfen immer bessere Gedichte und Geschichten zu schreiben.

Dieser Wunsch, so früh schon präsent, gestand Juliane Kayser den Kindern, beseelte auch sie selber. Um sich diesen Kindheitstraum zu erfüllen, hat sie sich von der Arbeit des Grafen Charles de Graimberg und beim Erzählen oder Vorlesen glänzenden Kinderaugen inspirieren lassen. So kann sie die Mädchen in ihrem Wunsch, zu schreiben, nur bestärken und sie wird von den Kindern auch entsprechend umringt und mit Fragen bombardiert und dem Wunsch auf ein Wiedersehen, vielleicht in der Schule …

Mariel Radlwimmer

Rezension zu "Franz und die Puppe auf Reisen"

Der Tod einer geliebten Person ist für die Hinterbliebenen immer eine Katastrophe. Für Kinder sind nicht nur lebendige Menschen, sondern auch die eine Puppe, die sie lieben, Personen. Und wenn sie verlorengehen, dann bricht ihre Welt zusammen. Genau das passiert Lilli, die zwar schon fast Schulmädchen ist. Aber sie ist auch Puppenmutter, die sogar beim Spielen im herbstlichen Park darauf achtet, dass sich Pauline nur ja keinen Schnupfen holt. Sie packt ihr Kind mit Spitzenhäubchen geschützt auf eine Bank, singt noch das allerschönste Schlaflied und jagt nun frei von mütterlicher Verantwortung den Schmetterlingen hinterher. Aber welches Unglück: kurze Zeit später ist Pauline nicht mehr da!

Die Verzweiflung ist übermächtig und Lilli wäre untröstlich, käme da nicht zufällig der feine Herr Franz vorbei. Der weiß, wo Pauline ist: sie hat sich auf eine abenteuerliche Reise begeben, um ebensolche herrlichen Abenteuer zu erleben, wie Lilli sie machen kann. Denn unterwegs ist Pauline ganz lebendig, kann sogar sprechen, Freunde finden und sich letztlich sogar verlieben und heiraten.

Juliane Sophie Kayser ist eine begeisterte Leserin von Literatur und besonders gerne mag sie die Texte von Franz Kafka. Sie hat seine Tagebücher studiert und dort Aufzeichnungen gefunden, aus denen sie nun diesen Text für Kinder gebastelt hat, die traurig sind über den Verlust ihrer Puppe. Kafka war wohl ein besonders liebevoller Mensch. Das wirkliche Kind, dem er diese Briefe, die nun Pauline an Lilli schreibt, geschenkt hat, lernen wir nicht kennen. Auch die originalen Briefe sind verloren gegangen, aber aus den Tagebüchern ließen sich die Stationen, die Pauline auf ihrer Reise macht und die Abenteuer, die sie dabei erlebt, von der heutigen Autorin nachvollziehen. Sie erzählt nun nicht nur tröstlich, sondern so geheimnisvoll und spannend, dass man so von geglückter Trauerarbeit reden darf. Lilli jedenfalls wartet jeden Tag ganz aufgeregt auf ihren Freund Franz, der die Briefe bringt und Lilli damit immer wieder aufs Neue an den Erfahrungen, die Pauline unterwegs macht teilnehmen lässt, fast so, als würde Lilli selbst all das erleben. Und die lesenden Kinder mit ihr.

Dass der Franz diese Briefe Nacht für Nacht selbst geschrieben hat, wird Lilli nie erfahren. Aber Juliane Sophie Kayser hat diese Idee, ein Kind in einer schweren Zeit zu begleiten aufgenommen und mit diesem Buch Kindern nicht nur ein wunderschönes Buch, sondern ein echtes Trostbuch geschenkt, das darüber hinaus auch die Fantasie auf eine Reise durch die Welt anregt.

Und weil diese Autorin auch für die Ausstattung ihrer Geschichte den für sie besten aller Illustratoren gewinnen wollte, hat sie es mit ihrem persönlichen Charme tatsächlich geschafft, einen der größten seines Faches dafür zu gewinnen: Graham Rust, der bisher lediglich die Romane von Frances Hodgson Burnett – und wer kennt sie nicht: „Der kleine Lord“, „Der geheime Garten“ und „Prinzessin Sara“  – bearbeitet hat, war bereit, zauberhafte Bilder für dieses Buch, das im Verlag Tomorrow´s Classics erschienen ist, zu malen und die ganze Ausstattung des Titels folgt diesem kostbaren Design. Auf den ersten Blick vermutet man, das Buch wäre ein englischer Klassiker des frühen 20igsten Jahrhunderts. Aber sowohl die Autorin, als auch der Illustrator, die jetzt im Jahr 2020 für Kinder arbeiteten, wissen, dass Kindergefühle zeitlos sind, aber sowohl in der Sprache, als auch bei den Bildern Personen finden müssen, mit denen sie sich gerne identifizieren wollen. Franz Kafka lebt vor 100 Jahren, deshalb hat man die dazu passende Szenerie gewählt, die Gefühle von Lilli aber sind immer wieder gleich. Kinder brauchen in der Not einen ebenso zugewandten, wie distanzierten großen Freund, dieses Buch kann genau dieses leisten.

Gabriele Hoffmann, Dipl.Paed., Autorin von „Leanders Lieblinge“, aktiv in der Leseförderung (Leseleben. e.V.)

Kurzmeinung: Diese Geschichte hat mich eingelullt und wünschen lassen, selbst wieder Kind sein zu können…

Ein Klassiker von morgen!

Diese Geschichte hat mich eingelullt und wünschen lassen, selbst wieder Kind sein zu können. Als Kind liebte ich Puppen – wie so viele. Und dann noch eine Puppe, von der du Briefe bekommst? Die dich auch nach dem Verschwinden nie vergisst? Die Bindung zwischen Puppe und Kind ist eine ganz besondere. Und das ist auch dieses Buch.

Eine Sprache, die der von Frances Hodgson Burnett doch nahe kommt. Wunderschöne Illustrationen, deren Künstler auch in Burnetts Büchern gezaubert hat.

In „Franz und die Puppe auf Reisen“ wurde einem kleinen Mädchen durch Kafkas Briefe die Trauer genommen. Briefe, die von Abenteuer sprechen. Aufregende Abenteuer, die zusammen mit den kurzen Kapiteln die Geschichte viel zu schnell verfliegen lassen. Und hier hätten wir den ersten Kritikpunkt: viel zu kurz. Mit den zuckersüßen Leseurkunden sei es wohl verziehen. xD Na gut: da es ja tatsächlich eher für Leseanfänger geschrieben ist, ist die Länge wohl perfekt. So auch der Hinweis am Ende. Geschrieben für die Eltern, dass sie ihrem Kind die Sache mit den Fremden ansprechen.

Ihr seht: ich hätte das Buch nicht nur als Kind geliebt. Ich liebe es jetzt und freue mich auf mehr. Danke für dieses Schätzchen, die dem Verlagsnamen gerecht wird!

k_sara auf lovelybooks

Rezension zu Lyrikband LUFTLINIEN

Ein Universum – unzählige Himmel

Juliane Sophie Kayser hat mit ‚Luftlinien‘ einen auf unglaublich feinfühlige Art und Weise die unterschiedlichsten Sinne anregenden Lyrikband zu Papier gebracht. Mit ihren Worten schafft sie Bilder, die das Herz schonungslos vibrieren lassen: so wahrhaftig wie fraglich, so entzündend wie löschend, so beweglich und doch zementierend. 

Drei ihrer Gedichte schafften es auf die Shortlist für den Lyrikpreis der Heidelberger Feder ( @heidelbergerliteraturtage ).

Der Band enthält zahlreiche Fotografien sowie ein Bild, die mit den geschriebenen Worten einen eng umschlungenen Tanz eingehen. Gerade dieses Zusammenspiel löste in mir eigene Kreativassoziationen aus. Was will man mehr? Das Gedicht ‚Venedig‘ mit seinem Foto ließ in mir eigene Worte wie Luftlinien durch das Gehirn schwirren, um sich galant mit eigener Federhand auf mein Graspapier zu legen.

Welches Gedicht von Juliane wird Euch so kitzeln, dass Eure kreative Ader angeregt wird – auf welche Weise auch immer? Ich bin gespannt.

Ich bin so gewinnbringend durch diese Luftlinien geschwebt, denn ich hatte während der Lektüre stets das Gefühl – wie von Juliane im Gedicht ‚Stern- Zeichen‘ angeregt – mein eigener Himmel in unserem einenden Universum sein zu dürfen.

Danke Juliane für Deine Literatur!

Costanze Pachner von ninisweltderbücher