Juliane Sophie Kayser
JSK-Logo
menu

HOW I MET YOUR GRANDFATHER

Warum es sinnvoll sein kann, Hackenschuhe zu tragen

Rezension von Nina Wacht in ihrem Blog: blog-a-holic.de

Juliane Sophie Kayser hat sich einem Thema gewidmet, das nicht nur schwierig zu begreifen, sondern auch zu verarbeiten ist: dem Holocaust. Die Autorin selbst trifft auf den Zeitzeugen Fred Raymes und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die erste Bekanntschaft mit ihm macht ihr Stöckelschuh vor dem Eingang des Kinos zum gleichnamigen Film „Menachem und Fred“. Doch ohne diese zugegebenermaßen für Fred schmerzhafte Begegnung wäre es niemals zu einer außergewöhnlichen Freundschaft gekommen, die Juliane Sophie und Fred ein Leben lang verband und auch weiterhin verbinden wird. 

In ihrem Hörbuch – gelesen von der Autorin selbst – werden also wir Zuhörer nunmehr ebenfalls Zeugen einer Zeit, die man in Deutschland nicht so schnell vergessen wird. Mit viel Hoffnung und Vorsicht, nähert sie sich diesem Thema und auch dem Herzen des alten Mannes an, der eine einzigartige Geschichte zu erzählen hat: die Geschichte von ihm und seinem jüngeren Bruder Menachem, der ein Opfer dieser schlimmen Zeit wurde. 

Untermalt mit malerischen Klavierklängen und mit solch einer Emotion vorgetragen, wird auch das Herz des Zuhörers schwermütig und irgendwann fragt man sich selbst: wo war Gott zu dieser Zeit? Denn das ist die Frage, die Fred seinen Lebtag verfolgt. Fred selbst ist nach dieser schrecklichen Zeit und all seinen Erinnerungen an den Verlust vieler Freunde, Bekannte und auch Familienangehöriger, sehr gezeichnet und Gott – der Gutmütige und Liebende – hat dort keinen Platz, denn, wenn es ihn wirklich geben würde, hätte er all dies nicht verhindert? 

Auch ich habe während dem Hören über all das nachgedacht und bin bis jetzt zu keinem Ergebnis gekommen, das mich oder mein Gewissen zufrieden stellen würde. Umso erstaunter war ich, wie liebevoll, aber auch vehement, Juliane Sophie ihrem neuen Bekannten Fred doch noch davon überzeugen kann, dass Gott tatsächlich existiert und ihn nicht im Stich gelassen hat. Aus einer zunächst zufälligen Bekanntschaft entwickelt sich eine wundervolle Freundschaft, die beiden Seiten viel gibt. 

Mir hat dieses Hörbuch sehr gut gefallen. Nicht zuletzt auch, weil es von der Autorin selbst vorgelesen wurde und man auch anhand ihrer Tonlage, die tiefen Gefühle und Erinnerungen miterleben durfte. 

In der zweiten Geschichte geht es ebenfalls um eine Überlebende des Holocaust, nur hier fehlt jegliche Hoffnung. Leserin dieser Geschichte ist Tessa Mittelstaedt, welche es ebenfalls perfekt weiß, diese düstere und hoffnungslose Stimmung dem Leser nahe zu bringen. 

Doch meine Worte können diese Geschichten einfach nicht ausreichend beschreiben, dazu müsst ihr schon selbst reinhören. Von mir gibt es daher eine klare Hörempfehlung!

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten

Das Sandwichkind

Ein humorvoller, spannender Krimi für Kinder zum selber lesenvon 8 bis 12 Jahren und zum Vorlesen ab 5 Jahren.

Rezension von Anke Klepsch, Dipl.-Soz.päd. 
Blog: Kinderbuchkiste, Juni 2018


„Ist das toll, dass du das Buch mitgebracht hast!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich ein 7 jähriger Junge nach einer Vorlesestunde und erklärte mir kurz darauf, dass er unbedingt das Buch weiterlesen möchte obwohl er noch nie ein Buch gelesen hat.
Das Gespräch war kurz aber intensiv und wie ich später feststellte ging es nicht nur diesem einen Jungen so. Dieses Buch muss man einfach lesen. Egal ob man gut lesen kann oder Leseanfänger ist.
Juliane Sophie Kayser schafft es auf ganz wunderbare Weise ihre Leser direkt mit den ersten Zeilen so in die Geschichte hinein zu ziehen, dass man einfach weiter, immer weiter lesen muss. Schon lange habe ich nicht mehr so viel freudiges Gekicher wärend einer Vorlesestunde erlebt. Der Humor, der Witz mit dem sie erzählt ist herzerfrischend. Nicht albern sondern einfach witzig mit viel Situationskomik, denn das was wir hören stellen wir uns auch bildlich vor. 
Die so entstehenden Bilder vor unsrem inneren Auge veranlassen uns automatisch dazu zu lachen. Gleichzeitig ist die gesamte Handlung so schnell, dynamisch und mitreißend, dass man aus dem Schmunzeln zeitweise kaum herauskommt und dies alles trotz sehr spannender Handlung.
Handlung ist das Stichwort. Worum geht es in diesem Buch mit dem wundersamen Namen eigentlich. Bevor ich den Kindern das Buch vorstelle frage ich immer ob sie wissen, was ein Sandwichkind ist. Viele, eigentlich die meisten, hielten es für ein Phantasiewort.
Hätten wir Paule, den Protagonisten vor seinem letzten Besuch im Schuhgeschäft diese Frage gestellt hätte er es vermutlich auch für ein solches gehalten. Doch besagter Besuch im Schuhgeschäft änderte Paules Leben.
Gemeinsam mit seiner Mutter, seiner großen Schwester Anna seinem kleinem Bruder Moritz fuhr er zum Schuhkauf. Es war eigentlich ein ganz normaler Einkauf bis zu dem Moment als sie an der Kasse nbezahlen wollten, denn plötzlich wie aus dem Nichts kreischt die Kassiererin „Ach je - du Ärmster!“. Alles schaute plötzlich auf ihn, doch was war mit ihm? Während er peinlich berührt und unwissend immer noch nach einer Erklärung suchte ertönte die schrille, jammernde Stimme wieder:“
Du Ärmster ...... Du bist ein Sandwichkind ..... Ach je, ach je.“
Was ist ein Sandwichkind? will Paul kurz danach draußen von seiner Mutter wissen, die selbst reichlich konsterniert von der unbedarften fast unverschämten Äußerung ist. Gerade noch war Paul ein ganz normaler Junge und jetzt ist er ein Sandwichkind, jemand anders. Unbekannte Gefühle kommen in ihm auf obwohl die Erklärung der Mutter harmlos ist. Ein Kind das sowohl große als auch kleine Geschwister hat ist ein Sandwichkind. Nichts schlimmes und dennoch fühlt sich Paul elend. Auch die zweite Erklärung der Mutter kann ihn nicht aufmuntern. Er solle an sein Lieblingssandwich denken mit Schnitzel und Salat. „Ohne die Füllung schmecken die Toastscheiben nicht....“
Juliane Sophie Kayser beschreibt Paules innere Auseinandersetzung sehr eindrucksvoll, wir fühlen mit jedem Wort, jedem Gedanken mit ihm mit. Paule gerät in eine Identitätskriese, die dazu führt, dass er richtig krank wird. Freiwillig kriecht er ins Bett. Fieber und Schüttelfrost suchen ihn heim. Plötzlich ist Morgen. Er fühlt sich ganz klar, als er entdeckt, dass statt seinen Füßen ein riesiges Sandwich in seinem Bett liegt. Er ist ein Sandwichkind!
Obwohl er sichtlich erstaunt ist scheint er keine Angst zu haben. Wie selbstverständlich steht er auf genießt sogar sein neues Sein. Was für ein Aufsehen er in der Schule erregt und wie seine durchaus zu Scherze aufgelegte Lehrerin reagiert verrate ich hier nicht. Nur so viel, allzu lang ist die Schulzeit nicht, da es Hitzefrei gibt.
Doch damit beginnt die Geschichte eigentlich erst, denn auf dem Heimweg wird Paule von Tina Tortellini und ihrem Onkel Guiseppe entführt. Wer um Himmels Willen entführt ein Sandwichkind und wieso?
Auch dass verrate ich hier nicht. Nur so viel, es wird wirklich richtig spannend, kurios, lustig und noch so einiges andere, denn während Paul sich mit seinen Entführern arrangiert und sich mit der Komplizin Rita anfreundet und mit der Maffia anlegt, geht zuhause die Suche nach ihm los. Sein Freund Max, der mit Paule auf dem Heimweg war geht gleich von einer Entführung aus, während alle anderen erst einmal an anders denken. Schnell wird jedoch klar Max hat recht und so startet parallel zu Paules Geschichte die „Aktion Codewort Sandwichkind“.
Im Wechsel wird von Paules Abenteuern und den Anstrengungen der Freunde und Familie ihn zu finden bzw. zu befreien erzählt. Zwei Handlungsstränge, die aufregender kaum sein können und sich mit der Zeit zu einem verbinden, denn eines ist klar, wenn viele, gemeinsam an einem Strang ziehen, viele gemeinsam ein Ziel verfolgen, dann sind sie stark genug auch einen Mafiaboss in ihre Schranken zu weisen.
Auch wenn alles am Ende nur ein 12 stündiger Fibertraum gewesen ist war es doch ein tolles Abenteuer. In Wirklichkeit wurde Paule nicht entführt, doch in diesen 12 Stunden hat sich seine Familie trotzdem Sorgen um ihn gemacht.
So viel Sorgen, dass sogar Paules große Schwester Anna ihm ohne Murren das Frühstück ans Bett bringt und akzeptiert, dass die Mutter noch bei ihm sitzen bleiben möchte um ihn den Rücken zu streicheln.
Auch die schönste Geschichte geht einmal zu Ende, dass mussten auch unsere Lesekinder erfahren, die am liebsten noch mehr gehört hätten. Doch wer wissen will was genau passiert und wie es weiter geht, der muss selbst in die Geschichte eintauchen und sie lesen oder sich weiter vorlesen lassen. Einige fragten mich ob es eine CD gibt. Als ich verneinte kam kein „OH, schade!“ sondern gleich,: „Gut, dann lese ich das Buch!“
Einige Tage später traf ich auf ein paar der Kinder aus der Vorlesestunde die mir freudig erzählten, dass sie das ganze Buch gelesen haben. In der Schule sind sogar gleich 2 Bücher angeschafft worden. Mit zwei 8 jährigen (Ein Mädchen und ein Junge) unterhielt ich mich länger um zu erfahren, was sie so toll an dem Buch fanden. Neben der Geschichte, die sie als spannend und witzig empfanden wurde auch auf die Aufteilung in Kapitel eingegangen und das seltsame Inhaltsverzeichnis vorne. Seltsam in sofern, dass  es keine kurzen Titelüberschriften gibt sondern einen verheißungsvoller Satz, der neugierig auf das kommende Geschehen macht.
Hier ein Beispiel: Kapitel 6: „In dem Paule erfährt, wer tatsächlich hinter seiner Entführung steckt, und Tini Tortellini sich verplappert.“
Insgesamt sind die 196 Seiten auf 39 kurze Kapitel unterteilt. Was auch Leseanfängern leicht macht gezielt Lesepausen einzulegen. Etwas Leseerfahrung allerdings sollten die Kinder schon haben aber man kann ja auch gemeinsam lesen.
Nina Hammerle hat zu dieser Geschichte hinreißende Bilder gezeichnet, die die Kinder oft eingehend studierten. Sie vermitteln die Stimmung der einzelnen Szenen sehr gut und visualisieren das Geschehen. Beim Vorlesen machen sich die Kinder ihre eigenen Bilder, die sich dann mit den Illustrationen verbinden so konkretisieren bzw. gleichen sich  ihre Bilder im Folgenden den Zeichnungen an. Oft hörte ich von Kindern: „Genau so habe ich mir das auch vorgestellt..“  „Die zeichnet das was ich auch gedacht habe...“. Auch wenn es „nur“ Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind, werden sie in der Fantasie der Kinder bunt, bunt wie das Coverbild. Auch das ist unseren Lesekindern aufgefallen.
Wer ein spannendes und dennoch lustiges Buch sucht, der sollte sich unbedingt dieses Buch anschauen. Wir sind uns sicher, dass es nicht nur für uns ein großer Lesespaß ist.

p.s.
Ich könnte hier jetzt noch groß das Thema Sandwichkind analysieren, möchte ich aber nicht. Alles was dazu zu sagen ist, mit all den Empfindungen die ein solches Kind, aber auch die Geschwister haben wird hier trefflich dargestellt.

Die Autorin weiß wovon sie schreibt, hat sie uns doch verraten, dass es genau diese Schuhladenszene wirklich gegeben hat, als sie mit ihren drei Kindern Schuhe kaufte. Wie sie diesen Vorfall und die daraus entstandenen Fragen zu einer einfühlsamen und sehr aufschlussreichen Geschichte voller Phantasie erweckt hat ist genial.
Für mich und unsere Lesekinder ist es nicht so sehr der Sandwichkind Aspekt gewesen, der zum Lesen verlockte sondern die daraus entstandene tolle Mischung aus Humor und Spannung, die so begeisterte, dass sich auch Leseanfänger zutrauten die Geschichte allein zu lesen. Wenn eine Geschichte so motivieren kann, dann ist es einfach eine tolle Geschichte.
Als Vorleserin hat es mir genauso viel Spaß gemacht und ich musste an den gleichen Stellen schmunzeln und kichern wie die Kinder. So macht Vorlesen richtig viel Freude. Daher empfehle ich das Buch gern auch als Familienbuch zum Vorlesen. Kinder ab etwa 4,5 bis 5 Jahren können ohne weiteres der Handlung folgen.
Zum Abschluss lasse ich noch Nina 8 Jahre zu Wort kommen. Sie sagt: „Liebe Juliane Kayser, vielen Dank für diese tolle Geschichte. Ich habe sie ganz gelesen und jetzt lese ich sie meinen kleinen Geschwistern vor.“
Dem Dank schließe ich mich an.
Vielen Dank für das tolle Buch. Wir sind gespannt was für schöne Geschichten uns in Zukunft noch erwarten.
Übrigens wollte meine Tochter 18 Jahre wissen was sie ist, hat sie doch einen kleinen Bruder und 4 große Brüder und eine große Schwester.
Daraufhin wollte einer der Größeren (Nummer 4) wissen was er dann ist.
Ein BigMac double Special Sandwich?

LITERARISCHES ABSTECKEN

 Juliane Kayser: Malchen und die vergessene Zeit

Von Miriam Schneider 

Das Genre Zeitreise-Roman hat schon viele Schriftsteller angezogen; es birgt so unendlich große Möglichkeiten, sich von Zwängen zu befreien und ganz in intelligente Gedankenspiele zu verfallen. Auch in der Kinderliteratur sind die Versuche Legion, und einige Bücher von ihnen sind gelungen. Zu diesen lesenswerten Werken gehört das Buch der Kinderbuchautorin Juliane Kayser. Es führt die achtjährige Hannah zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts, hin zu einer Freundin, wie sie eine bessere in der Gegenwart nicht finden kann. Und doch vergisst Hannah ihr eigentliches Leben nicht, wie auch?

Die Leser sind ihr nie einen Schritt voraus, man fühlt mit ihr, obwohl nicht – wie so oft im Kinderbuch – mit dem Holzhammer auf Identifikation gesetzt wird. Die Autorin zeigt sprachliches Feingefühl, und so ist „Malchen und die vergessene Zeit“ auch ein – wie so selten im Kinderbuch – literarisches Abstecken des Terrains des Zeitreise-Sujets. Die historischen Hintergründe (Schauplatz: Heidelberger Schloss) werden nicht ignoriert oder verdreht; hier kann der Leser sich beruhigt vor Fantasy geschützt wissen. Glücklich fügen sich zu der Erzählung die Illustrationen von Bernhard Oberdieck, der einige Erfahrung mitbringt und dieses Debut gestalterisch weder zu Massenware noch zu einem ungekonnten Außenseiter werden lässt.